Nährstoffmängel erkennen und gezielt ausgleichen
Wenn man mit Rheuma lebt, beschäftigt man sich früher oder später nicht nur mit Medikamenten und Arztterminen, sondern auch mit der Frage: Fehlt meinem Körper vielleicht etwas? Diese Frage habe ich mir selbst schon oft gestellt. Denn wenn man ständig mit Schmerzen, Erschöpfung und Entzündungen zu tun hat, liegt der Gedanke nahe, dass der Körper möglicherweise nicht optimal versorgt ist. Also die Frage lautet: Welche Vitamine fehlen bei Rheuma?
Und tatsächlich zeigen Studien, dass bestimmte Vitamin- und Mineralstoffmängel bei Menschen mit Rheuma häufiger auftreten als in der Allgemeinbevölkerung. Natürlich ist ein Nahrungsergänzungsmittel kein Wundermittel. Aber wenn ein echter Mangel besteht, kann das Ausgleichen einen spürbaren Unterschied machen.
Mehr Energie. Weniger Müdigkeit. Bessere Regeneration. In diesem Artikel zeige ich dir, welche Vitamine und Mineralstoffe bei Rheuma besonders häufig fehlen, warum sie so wichtig sind und worauf du achten solltest.
Warum Nährstoffmängel bei Rheuma häufiger vorkommen
Chronische Entzündungen belasten den Körper dauerhaft. Das Immunsystem arbeitet auf Hochtouren, Gewebe wird ständig repariert und viele Stoffwechselprozesse laufen intensiver ab. Das kann dazu führen, dass dein Bedarf an bestimmten Nährstoffen steigt.
Zusätzlich gibt es weitere Faktoren, die einen Mangel begünstigen können:
- Appetitlosigkeit oder einseitige Ernährung
- Verdauungsprobleme
- Darmbeschwerden
- Medikamente wie Cortison oder Methotrexat (MTX)
- Weniger Sonnenlicht
- Eingeschränkte Bewegung
Gerade wenn man ohnehin mit Müdigkeit, Muskelschmerzen oder Konzentrationsproblemen kämpft, lohnt sich ein Blick auf die Nährstoffversorgung.
Vitamin D – wahrscheinlich der wichtigste Nährstoff bei Rheuma

Vitamin D nimmt für mich eine ganz besondere Rolle ein. Genau genommen ist Vitamin D nicht nur ein klassisches Vitamin, sondern wirkt im Körper eher wie ein Hormon. Es beeinflusst hunderte Prozesse und spielt eine zentrale Rolle für:
- das Immunsystem
- die Knochengesundheit
- die Muskelfunktion
- Entzündungsprozesse
Warum Vitamin D bei Rheuma so wichtig ist
Vitamin-D-Rezeptoren befinden sich auf vielen Immunzellen. Das zeigt, wie eng Vitamin D mit unserem Immunsystem verbunden ist. Ein niedriger Vitamin-D-Spiegel wird in Studien häufiger in Verbindung gebracht mit:
- höherer Krankheitsaktivität
- stärkeren Schmerzen
- mehr Müdigkeit
- schlechterer Knochengesundheit
Warum so viele Menschen zu wenig Vitamin D haben
In Mitteleuropa reicht die Sonneneinstrahlung vor allem von Oktober bis April häufig nicht aus, um ausreichend Vitamin D über die Haut zu bilden. Deshalb gelten in Deutschland Werte ab etwa 50 ng/ml oft als gut versorgt. Viele ganzheitlich orientierte Experten streben Werte um 60 bis 70 ng/ml an. In Ländern nahe am Äquator liegen natürliche Vitamin-D-Spiegel häufig deutlich höher.
Mein persönlicher Eindruck
Ich habe selbst erlebt, wie stark sich ein Vitamin-D-Mangel auf das Wohlbefinden auswirken kann. Mein eigener Vitamin-D-Wert lag einmal bei nur 13 ng/ml – und rückblickend litt ich unter fast allen typischen Symptomen:
- extreme Müdigkeit
- Muskelschwäche
- Erschöpfung
- Infektanfälligkeit
- das Gefühl, einfach nicht richtig in die Kraft zu kommen
Für mich fühlte sich das an wie eine Blume, die kein Wasser bekommt. Sie versucht zu überleben, aber ihr fehlt schlicht die Grundlage, um wirklich aufzublühen.
Genau so habe ich mich damals gefühlt. Was mich besonders enttäuscht hat: Mein Rheumatologe hat mich damals nicht darüber aufgeklärt, dass insbesondere eine längere Cortisontherapie den Vitamin-D-Stoffwechsel beeinflussen und die Knochengesundheit zusätzlich belasten kann. Erst als ich mich selbst intensiver mit dem Thema beschäftigt habe, wurde mir bewusst, wie wichtig Vitamin D für Immunsystem, Muskeln, Knochen und das allgemeine Wohlbefinden ist.
Deshalb gehört Vitamin D für mich zu den wichtigsten Nahrungsergänzungsmitteln überhaupt. Wenn der Spiegel zu niedrig ist, kann es sich anfühlen, als würde dem Körper schlicht ein entscheidender Baustein fehlen.
Omega-3-Fettsäuren – streng genommen kein Vitamin, aber enorm wichtig

Auch wenn Omega-3 kein Vitamin ist, gehört es unbedingt in diese Liste. Die Fettsäuren EPA und DHA dienen dem Körper als Ausgangsstoffe für entzündungsauflösende Botenstoffe.
Studien zeigen, dass Omega-3-Fettsäuren helfen können:
- Gelenkschmerzen zu reduzieren
- Morgensteifigkeit zu verkürzen
- den Bedarf an Schmerzmitteln zu senken
Folsäure (Vitamin B9)
Folsäure ist besonders wichtig für Zellteilung und Blutbildung. Wenn du Methotrexat (MTX) einnimmst, kennst du Folsäure wahrscheinlich bereits. MTX blockiert gezielt den Folsäurestoffwechsel. Deshalb wird Folsäure häufig zusätzlich verschrieben, um Nebenwirkungen abzumildern wie:
- Übelkeit
- Schleimhautentzündungen
- Müdigkeit
- erhöhte Leberwerte
Mein Tipp
Wenn du MTX einnimmst, solltest du Folsäure nur nach den Vorgaben deines Arztes einnehmen.
Vitamin B12
Vitamin B12 ist für unseren Körper ungefähr so wichtig wie Öl für einen Motor. Es sorgt dafür, dass viele grundlegende Prozesse überhaupt reibungslos funktionieren. Vitamin B12 wird unter anderem benötigt für:
- die Bildung roter Blutkörperchen
- den Sauerstofftransport
- gesunde Nerven
- die Konzentration
- die Energieproduktion
- die Zellteilung
Einfach erklärt: Vitamin B12 hilft deinem Körper dabei, Energie zu erzeugen und die Nervenzellen gesund zu halten. Fehlt Vitamin B12, kann sich das unter anderem durch Müdigkeit, Erschöpfung, Konzentrationsprobleme, Kribbeln in Händen und Füßen oder ein allgemeines Schwächegefühl bemerkbar machen. Gerade wenn man sich trotz ausreichend Schlaf ständig ausgelaugt fühlt, kann ein Blick auf den Vitamin-B12-Wert sinnvoll sein.
Wer besonders gefährdet ist
- Menschen mit Magen-Darm-Problemen
- Vegetarier und Veganer
- Personen mit langfristiger Einnahme von Säureblockern
Eisen
Eisen ist für unseren Körper enorm wichtig. Es ist ein zentraler Bestandteil des roten Blutfarbstoffs Hämoglobin, der Sauerstoff von der Lunge zu allen Zellen transportiert. Einfach gesagt: Eisen sorgt dafür, dass deine Zellen mit ausreichend Sauerstoff versorgt werden. Ohne genügend Eisen fühlt sich der Körper oft an, als würde ihm buchstäblich die Luft und Energie ausgehen.
Außerdem spielt Eisen eine wichtige Rolle für:
- die Energieproduktion
- die Konzentration
- die körperliche Leistungsfähigkeit
- das Immunsystem
- gesunde Haare und Nägel
Eisenmangel ist bei Rheuma relativ häufig. Das Problem: Auch chronische Entzündungen können dazu führen, dass Eisen zwar vorhanden ist, vom Körper aber schlechter genutzt wird.
Typische Symptome:
- Müdigkeit
- Kurzatmigkeit
- Haarausfall
- Blässe
- verminderte Belastbarkeit
Wichtige Laborwerte
- Ferritin
- Transferrinsättigung
- Hämoglobin
- CRP
Magnesium
Magnesium ist an über 300 enzymatischen Reaktionen beteiligt. Es unterstützt:
- Muskeln
- Nerven
- Schlaf
- Energieproduktion
Viele Menschen mit Rheuma berichten über Muskelverspannungen, Krämpfe oder Schlafprobleme. Ein Magnesiummangel kann dabei eine Rolle spielen.
Gut verträgliche Formen
- Magnesiumglycinat
- Magnesiumcitrat
- Magnesiumbisglycinat
Zink
Zink ist ein echter Allrounder im Körper. Es wird für hunderte enzymatische Prozesse benötigt und spielt eine wichtige Rolle für:
- das Immunsystem
- die Wundheilung
- gesunde Haut
- Haare und Nägel
- den Zellschutz
- den Hormonstoffwechsel
Man kann sich Zink wie einen kleinen Helfer vorstellen, der überall dort gebraucht wird, wo der Körper reparieren, schützen und regenerieren muss. Gerade bei Rheuma ist das besonders interessant, weil chronische Entzündungen den Bedarf an Zink erhöhen können.
Ein Zinkmangel kann sich unter anderem durch häufige Infekte, schlechte Wundheilung, brüchige Nägel oder Haarausfall bemerkbar machen. Da Zink bei chronischen Entzündungen vermehrt verbraucht werden kann, lohnt sich ein Blick auf die Versorgung.
Selen
Selen ist ein Spurenelement, das häufig unterschätzt wird. Es ist Bestandteil wichtiger antioxidativer Enzyme, die deine Zellen vor Schäden durch freie Radikale schützen. Freie Radikale entstehen unter anderem bei Entzündungen und können Zellstrukturen belasten. Selen hilft dem Körper dabei, diese aggressiven Moleküle unschädlich zu machen. Außerdem spielt Selen eine wichtige Rolle für:
- das Immunsystem
- die Schilddrüse
- den Zellschutz
- die Regeneration
Bei chronischen Entzündungen ist das besonders interessant. Ein Selenmangel bleibt oft lange unbemerkt, kann aber das allgemeine Wohlbefinden und die körpereigene Abwehr beeinträchtigen.
Kalzium und Vitamin K2
Wer über längere Zeit Cortison einnimmt, sollte besonders auf die Knochengesundheit achten. Cortison kann auf Dauer dazu führen, dass Knochen an Stabilität verlieren. Dadurch steigt das Risiko für Osteopenie oder Osteoporose. Genau deshalb spielen Kalzium, Vitamin D und Vitamin K2 eine wichtige Rolle.
Kalzium
Kalzium ist der wichtigste Baustoff für Knochen und Zähne. Man kann es sich wie die Ziegelsteine eines Hauses vorstellen. Ohne ausreichend Kalzium fehlt dem Körper das Material, um stabile Knochen aufzubauen und zu erhalten.
Vitamin K2
Vitamin K2 sorgt dafür, dass Kalzium auch dort ankommt, wo es gebraucht wird – nämlich in den Knochen. Es aktiviert bestimmte Proteine, die Kalzium in die Knochen einbauen und gleichzeitig verhindern, dass es sich in Blutgefäßen oder Weichteilen ablagert.
Einfach gesagt:
- Kalzium liefert das Baumaterial.
- Vitamin D verbessert die Aufnahme.
- Vitamin K2 hilft dabei, das Kalzium an den richtigen Ort zu bringen.
Warum diese Kombination so sinnvoll ist
Erst das Zusammenspiel dieser Nährstoffe macht eine optimale Versorgung möglich. Gerade bei Menschen mit Rheuma, die über längere Zeit Cortison einnehmen, lohnt es sich daher besonders, die Knochengesundheit im Blick zu behalten. Denn starke Knochen sind eine wichtige Grundlage dafür, auch langfristig aktiv und beweglich zu bleiben.
Hier geht’s zum Beitrag über Nahrungsergänzungsmittel. Weiterlesen>>
Woran du einen Mangel erkennen kannst

Mögliche Hinweise sind:
- anhaltende Müdigkeit
- Muskelschwäche
- Haarausfall
- Konzentrationsprobleme
- häufige Infekte
- schlechte Regeneration
- Kribbeln oder Taubheitsgefühle
Diese Symptome können viele Ursachen haben. Deshalb ist es sinnvoll, wichtige Werte regelmäßig überprüfen zu lassen.
Sinnvolle Blutwerte bei Rheuma
Je nach Situation können folgende Werte hilfreich sein:
- Vitamin D (25-OH-D)
- Vitamin B12
- Holotranscobalamin
- Folsäure
- Ferritin
- Transferrinsättigung
- Magnesium
- Zink
- Selen
- Calcium
- CRP
- Leberwerte (ALT/GPT, AST/GOT, Gamma-GT)
- Nierenwerte (Kreatinin, eGFR)
Gerade wenn du Medikamente wie Methotrexat, Cortison, Schmerzmittel oder andere Rheuma-Medikamente einnimmst, lohnt es sich, auch Leber- und Nierenwerte regelmäßig im Blick zu behalten. Wie oft Blutwerte kontrolliert werden sollten, hängt von deinen Medikamenten und deiner persönlichen Situation ab.
Bei vielen Rheuma-Patienten werden wichtige Blutwerte alle 8 bis 12 Wochen überprüft. Wenn ein neues Medikament gestartet wird oder Auffälligkeiten bestehen, können auch häufigere Kontrollen sinnvoll sein. Bei mir werden die wichtigsten Werte in der Regel etwa drei Mal pro Jahr bestimmt. Das gibt mir ein gutes Gefühl und hilft mir, Veränderungen frühzeitig zu erkennen.
Ernährung bleibt die Basis
Nahrungsergänzungsmittel können sinnvoll sein, wenn ein Mangel vorliegt. Die Grundlage bleibt aber immer eine abwechslungsreiche Ernährung mit:
- viel Gemüse
- Beeren
- hochwertigen Eiweißquellen
- gesunden Fetten
- ausreichend Flüssigkeit
Genau deshalb spielt Ernährung bei Rheuma für mich eine so wichtige Rolle.
Mein persönlicher Blick auf das Thema
Irgendwann habe ich für mich entschieden, meine Gesundheit nicht mehr komplett aus der Hand zu geben. Nicht jede Müdigkeit ist „normal“. Nicht jedes Tief muss man einfach hinnehmen. Manchmal steckt tatsächlich ein Mangel dahinter, den man gezielt ausgleichen kann.
Heute schaue ich mir meine Blutwerte ganz bewusst an und möchte verstehen, was in meinem Körper passiert. Bei meinen Rheuma-Kontrollen werden etwa drei Mal im Jahr standardmäßig Blutwerte bestimmt. Mit der Zeit ist daraus fast schon ein kleines Stück Eigenverantwortung geworden.
Ich weiß inzwischen ziemlich genau, was die wichtigsten Werte bedeuten und worauf ich persönlich achten möchte. Vitamin D nehme ich heute täglich prophylaktisch ein. Genauso gehören Magnesium, Eisen und Vitamin C zu meiner Routine – aber das ist noch einmal ein eigenes Thema. Ich verlasse mich also nicht mehr ausschließlich darauf, dass Ärzte schon an alles denken.
Stattdessen habe ich gelernt, selbst genauer hinzuschauen und mich aktiv um meinen Körper zu kümmern. Das ersetzt natürlich keine medizinische Therapie. Aber es gibt mir ein gutes Gefühl zu wissen, dass ich meinen Körper zusätzlich bestmöglich unterstütze.
Fazit
Kleine Mängel können große Auswirkungen haben
Bei Rheuma treten Mängel an bestimmten Vitaminen und Mineralstoffen häufiger auf.
Besonders relevant sind:
- Vitamin D
- Omega-3-Fettsäuren
- Folsäure
- Vitamin B12
- Eisen
- Magnesium
- Zink
- Selen
- Kalzium und Vitamin K2
Wenn du trotz Behandlung unter starker Müdigkeit, Muskelschmerzen oder Erschöpfung leidest, kann es sich lohnen, deine Blutwerte überprüfen zu lassen. Denn manchmal fehlt dem Körper nur ein kleines Puzzleteil, um wieder etwas besser ins Gleichgewicht zu kommen.
Vielleicht interessieren dich auch meine Artikel über die besten Nahrungsergänzungsmittel bei Rheuma und darüber, welche Lebensmittel Entzündungen reduzieren können. Weiterlesen>>
Liebe Grüße

Wichtiger Hinweis
Dieser Artikel ersetzt keine medizinische Beratung. Bitte bespreche die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln immer mit deinem Arzt oder Therapeuten – besonders wenn du Medikamente einnimmst
Quellen:
Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE), Robert Koch-Institut – Vitamin D

